Ani Maisuradze

Überlagerung

Serie aus 10 Blättern, Pittstiffte auf Papier, 120×150 cm, 2013-2014

Die Zeichnungen, die in dem Zyklus „Überlagerung“ zu sehen sind, sind direkt mit äusseren Einflüssen verbunden. Die Bilder sind in der Auseinandersetzung mit der Situation in meinem Heimatland Georgien entstanden. Im Jahr 2013 fand eine Demonstration gegen Homophobie statt, die jedoch in einen Volksaufruf gegen Homosexualität überging. Die kurzen Videoeindrücke, die ich zu sehen bekommen habe, hinterliessen eine gewisse Unbegreiflichkeit, die ich im zeichnerischen Prozess zu bearbeiten und zu verstehen versuchte. Die Frage, inwieweit das Subjekt Ordnungen und Regeln untergeordnet ist, begleitete diesen Prozess. Auch die Frage, wieso wir durch manche Themen, die uns täglich medial erreichen, mehr betroffen sind als von anderen. Was hinterlässt die Wirkung und was genau hat das mit uns zu tun?
Die Bilder dieser Serie sind Träger dieser Auseinandersetzungen. Die Flächen bieten mir die Möglichkeit zur Reflexion. Das ist ein gedanklicher Vorgang, der mit den auftauchenden Linien auf das Papier übersetzt und dadurch objektiviert wird. Der Prozess der Übersetzung von Gedanken in gezeichnete Linien ist gelöst von Sprache. Es ist ein Denken im Stillen, Betrachten im Stillen, Zeichnen im Stillen. Die Frage was der Betrachter zu sehen bekommt, oder ob die Gedanken, Einflüsse oder die Erinnerungen sichtbar gemacht werden können, bleibt zunächst offen.